Nur ja keinen Asphalt, bitte!

Nirgends ist das Netz der Wanderwege so dicht wie in der Schweiz. Dennoch wird an der Qualität gefeilt: Der Anteil des Hartbelags soll reduziert werden.

 

Das Gehen auf Naturbelag, das sei der «Urgedanke» des Vereins Berner Wanderwege, sagt deren Technischer Leiter Hans Ulrich von Gunten. Für den dichter werdenden motorisierten Verkehr wurden im 20. Jahrhundert immer mehr Strassen und Wege befestigt und asphaltiert.

Der Verdrängungsprozess führte zur Gründung der Schweizer Wanderwege und zur Einrichtung der ersten Routen. Im Kanton Bern war es 1937 so weit, als 35 Musterrouten signalisiert wurden. Das dichte Wegnetz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg weiter ausgebaut, aber im Laufe der Zeit wurden parallel dazu zahlreiche Naturstrassen mit Asphalt überzogen. Fachleute sprechen von einer «Verteerung».

Knapp 30 Prozent des Netzes im Kanton Bern verlaufen auf ungeliebtem Hartbelag. «Unser Ziel ist es, dass ausserhalb des Siedlungsgebiets nur 10 Prozent der Wanderwege im Kanton Bern auf Hartbelag verlaufen», sagt von Gunten. «Wir schauen minutiös jeden Abschnitt an, um die Qualität der Wege zu erhöhen.» Das Wanderwegnetz zusammenzustreichen, geht aber nicht, denn im Artikel 88 der Bundesverfassung heisst es über Fuss- und Wanderwege: Der Bund «ersetzt Wege, die er aufheben muss».

In Bezug auf die Asphaltierung von Wanderwegen sind alle Abschnitte ersatzpflichtig, die länger als hundert Meter sind. Aktuell sollen im Gebiet Münsingen/Tägertschi/Ballenbühl Wege verlegt werden, denn dort verlaufen mehrere Routen auf Asphalt. Ziel sei es, bestehende Wege zu nutzen, erklärt von Gunten. Dazu brauche es aber die Zustimmung der Besitzer. Bei der Planung sind Gemeinden, Kanton sowie Fachstellen involviert.

Wandern ist im Aufschwung

Nicht immer kann auf bestehende Naturwege ausgewichen werden. «Es ist aber enorm schwierig, einen neuen Weg zu bauen», so von Gunten. Kürzlich wurden zwei neue Abschnitte beim Kemmeribodenbad eröffnet, dazu gehört auch ein neuer Steg über die Emme. Ein anderes Projekt liegt im Napfgebiet: Auf drei Kilometern zwischen Trub und Fankhaus soll der Wanderweg in Zukunft nicht mehr auf der asphaltierten Strasse, sondern dem Bach entlang verlaufen. Beim Bau neuer Wege helfen jeweils viele Ehrenamtliche mit, ebenso beim Unterhalt.

Wandern liegt seit Jahren im Trend. In einer Studie nannten 44 Prozent der Befragten Wandern als eine ihrer sportlichen Aktivitäten. Wandern war damit die beliebteste sportliche Aktivität, noch vor Radfahren, Schwimmen, Skifahren, Jogging und Fitnesstraining. «Auch bei jungen Menschen ist das Wandern beliebter geworden», sagt Bernhard Schmidt, Geschäftsführer Berner Wanderwege.

Die Bewegung in der Natur könne im digitalen Zeitalter als Ausgleich dienen. Schmidt sieht einen weiteren Grund für den Aufschwung: Im Bereich der Bekleidung seien grosse Fortschritte erzielt worden. «Wer heute wandert, kann auch modisch unterwegs sein.» Ein Grund für die Beliebtheit sei auch die Internetplattform der Berner Wanderwege.

Allerdings hat sich der Charakter des Wanderns verändert. Während Wanderungen früher minutiös und von langer Hand geplant wurden und häufig den ganzen Tag in Anspruch nahmen, läuft heute alles viel kurzfristiger ab. «Die Touren sind weniger lang, häufig wird zwei bis drei Stunden gewandert und nicht wie früher sechs bis acht Stunden», sagt Schmidt.

Bei Wanderungen mit Kindern könne man spielerische Elemente einbeziehen, um sie zu motivieren – zum Beispiel mittels Geocaching, bei dem anhand von GPS-Daten Posten angelaufen und Gegenstände gesucht werden.

Quelle: Der Bund

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