"Ich will beim Wandern keine Schniedel sehen"

Selbst Bußgelder und kalte Temperaturen halten manche Nacktwanderer nicht von ihrer Passion ab. Das freut nicht jeden: Vor allem in der Schweiz ist die Stimmung gereizt.

 

Ich bin bekennender Naturist und wandere ausschließlich nackt, Sommer wie Winter", outete sich ein Neumitglied in einer Schweizer Facebook-Gruppe für Wanderer. Die Reaktionen darauf sind gemischt, wie das Onlineportal GRHeute schreibt. So heißt es etwa: "Mich stört ein Penis nicht, das ist voll natürlich", aber auch: "Ich will beim Wandern keine Schniedel sehen." Zudem kommt die Frage auf, ob das nicht strafbar sei.

In der Schweiz ist es das. Vor sechs Jahren entschied das Bundesgericht, dass Kantone Nacktwanderer abstrafen dürfen. Das Bundesgericht hat mit dem Entscheid die Beschwerde eines Mannes abgeschmettert, der im Oktober 2009 im Gebiet Nieschberg bei Herisau im Kanton Appenzell Ausserrhoden nackt unterwegs war und in der Folge verzeigt wurde. 2009 wurde im Kanton Appenzell Innerrhoden das Übertretungsstrafgesetzbuch angepasst; seither werden nackte Wanderer mit 200 Franken
(umgerechnet rund 184 Euro) gebüßt. Damit wurde Nacktwandern zum Offizialdelikt – damals ein Novum weltweit. Um gegen das Verbot zu protestieren, zog sich im Juli 2012 ein Mann bei einem Fallschirmsprung aus und landete dann im Ort Wasserauen. Geholfen hat es nichts.

Gibt es keine Nacktwanderer mehr?

Auf Anfrage bei den Kantonen heißt es, dass Nacktwanderer kein Thema mehr seien. Bußgelder gab es im bisherigen Jahr 2017 keine. Auch Florian Schneider, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen, sind aus den letzten drei Jahren keine Fälle bekannt: "In St. Gallen wurden Nacktwanderer ohnehin nie gebüsst, man müsste Anzeige erstatten." Denn den expliziten Straftatbestand Nacktwandern gebe es nicht – anzeigen könne man etwa Belästigung oder Exhibitionismus.

Für Puistola Grottenpösch*, wanderfreudiger Nudist aus der Ostschweiz und Sprachrohr der Schweizer Nacktwanderer, ist klar: "Drohende Konsequenzen sind uns egal. Um bestraft zu werden, muss man uns erst einmal in flagranti erwischen." Es gebe durchaus noch eine Nacktwanderer-Szene, unter dem Radar der Polizei. Auch er sei nach wie vor nackt unterwegs.

Gefühl von Freiheit

Grottenpösch ist inzwischen 64 Jahre alt und seit 30 Jahren intensiver Nacktwanderer, erste Erfahrungen habe er aber bereits im Alter von 15 Jahren gemacht. "Es ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit, das nie Routine wird. Im Gegenteil, hat man das einmal erlebt, möchte man das Gefühl immer wieder." Es sei toll, wenn keine Kleidung mehr da ist, die eng ist oder zwickt. Auch der Winter sei kein Hindernis. Im Gegenteil – wenn die Sonne scheine, sei es gerade bei null Grad herrlich erfrischend.

In der Schweiz gebe es viele schöne Gegenden, die sich für das Nacktwandern eignen. Einzige Ausnahme: der Kanton Appenzell Innerrhoden. "Dort ist die Stimmung uns gegenüber sehr aggressiv" – vor allem bei den "lokalen Bekleideten", wie Grottenpösch sie nennt. Es sei richtig lästig, weil man dort regelrecht aufgehalten werde. Das brauche wohl niemand, deshalb bleibe er dort lieber weg.

  • Pseudonym, Name der Redaktion bekannt

Quelle: heute.at

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