Kälte, Regen, Schnee – und bei diesen ungemütlichen Bedingungen sollst du raus in die Natur? Unbedingt, findet reisereporterin Leonie. Warum, erklärt sie in ihrem Plädoyer fürs Winterwandern.

 

Leonie Greife, Reisereporter.de

Wir haben eine komplizierte Vergangenheit, das Wandern und ich. Meine ersten Erinnerungen daran sind von sehr gemischten Gefühlen begleitet: Von meinen Eltern wurden meine Schwester und ich im Urlaub gern auf kleine Wandertouren mitgeschleift, gegen die ich mich erst lauthals gewehrt, die ich dann aber gegen meinen Willen doch spannend gefunden habe. Das durfte ich mir – und den Eltern – natürlich nicht eingestehen. Wie uncool wäre das denn gewesen?

Mittlerweile bin ich (mehr oder weniger) erwachsen, und meine Beziehung zum Wandern ist reifer und liebevoller geworden. Spätestens seit ich eine Zeit lang in Schweden gewohnt habe, schnüre ich so oft wie möglich die Wanderschuhe. Und auch in den vergangen Monaten hat sich Wandern als ideale Aktivität in Corona-Zeiten entpuppt: Wer die richtigen Routen wählt, kann bei Wandern richtig gut Social-Distancing betreiben.

Warum wandern im Winter so wunderbar ist

Meine Lieblingsjahreszeit zum Wandern ist ganz klar der Winter. Ja, im Frühling die ersten warmen Sonnenstrahlen zu spüren, sich im Sommer im See abzukühlen und im Herbst durchs Laub zu stapfen ist toll. Aber nichts geht über die reine Luft eines klirrenden Wintertags. Über die Farbpalette eines Sonnenuntergangs an kurzen Tagen. Oder über die einzigartigen Kunstwerke aus Eiskristallen auf Blättern und Pfützen.

Klar, es gibt einige Dinge, die gegen Wanderungen im Winter sprechen: Nässe, Matsch, Kälte, Glätte, Dunkelheit. Mit der richtigen Kleidung – und einer Thermoskanne mit heißem Kaffee oder Tee – kannst du diesen Widrigkeiten aber heldenhaft trotzen.

Denn die Vorzüge von Winterwanderungen überwiegen alle etwaigen Hindernissen bei Weitem. Welche Vorzüge das sind? Du hast die Wanderwege meist ganz für dich allein, lernst eine Landschaft, die du eigentlich nur im Sommer kennst, noch einmal ganz neu kennen und fühlst dich so lebendig und erfrischt wie schon lange nicht mehr. Versprochen.

Was du beim Wandern im Winter beachten musst

Die richtige Wanderausrüstung ist immer wichtig, beim Wandern im Winter vielleicht noch ein bisschen mehr. Achte darauf, dass du wind- und wasserfeste Kleidung trägst. Am besten in mehreren Lagen, die du nach und nach aus- oder anziehen kannst, je nachdem, wie warm dir auf der Strecke wird. Dicke Socken und robuste Schuhe sind ein Muss.

Ein isoliertes Sitzkissen oder eine Picknickdecke sorgen dafür, dass du während einer Pause keinen kalten Hintern bekommst. Und mitgebrachte Heißgetränke wärmen dich von innen.

Weil die Tage im Winter kürzer sind, musst du bei der Auswahl der Wanderroute darauf achten, dass du die Strecke schaffst, bevor es dunkel wird. Wenn du beim Sonnenaufgang startest, bekommst du die magische winterliche Morgenstimmung mit und hast im Zweifel noch etwas Puffer, bevor die Sonne wieder untergeht. Checke außerdem, ob die Strecke – zum Beispiel auch bei Schnee – komplett zugänglich ist.

Und das vielleicht Beste am Winterwandern: Nie hast du dir eine heiße Schokolade mehr verdient als nach einer Wanderung in eisiger Kälte. Und nie hat sie besser geschmeckt. Mit diesem Argument hätte sogar mein zehn Jahre altes Ich Wandern gut gefunden. Na ja, fast.

 

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