Wandern ist nicht mehr uncool

So gut zu Fuß wie Johann Wolfgang von Goethe sind heute nicht viele. 25 Kilometer hin und dasselbe noch mal zurück soll der Dichter an einem Tag in der Gegend von Weimar gelaufen sein. Die Wanderer von heute gehen weniger weit.

„Die Strecken werden immer kürzer”, sagt Wanderexperte Michael Sänger aus Bonn. Während früher eine Distanz von mehr als 20 Kilometern normal war, seien die Tagestouren heute im Schnitt 10 bis 15 Kilometer lang.

Nach Angaben des Deutschen Wanderverbandes frönen aber mehr Deutsche als früher dem Hobby des ausdauernden Gehens. Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger gelten laut einer Studie aus dem Jahr 2014 als Wanderer, vier Jahre zuvor waren es noch 56 Prozent. „Der Zuwachs kommt über die „Seltenwanderer”. Das sind junge Leute, die das ausprobieren”, sagt Erik Neumeyer, Wegeexperte des Wanderverbandes. „Es ist schon länger her, dass es uncool war, zu wandern.” Vor allem der Drang, die Natur zu erleben und sich zu bewegen, sei das Motiv, auf eigenen Füßen durch die Natur zu stapfen.

Allein in Nordrhein-Westfalen können 50.000 Kilometer Wanderwege zu Fuß erkundet werden. Und es müssen nicht immer Berge sein. Als einer der schönsten Wanderwege Deutschlands wird in diesem Jahr eine Route durch den flachen Niederrhein geadelt.

Die Trasse „Galgenvenn” im Naturpark Schwalm-Nette bekommt den zweiten Preis auf der Wander- und Treckingmesse TourNatur (2. bis 4. September) in Düsseldorf verliehen. Der erste Preis geht an den „Wasserfallsteig” in Bad Urach in Baden-Württemberg. Ausgelobt wird der Wettbewerb vom „Deutschen Wandermagazin”.

„Es geht nicht mehr knickerbockermäßig zu wie in den 60er oder 70er Jahren”, sagt Michael Puschmann, der Geschäftsführer des NRW-Naturparks mit insgesamt neun Premium-Wanderwegen. Schwalm-Nette ist mit 435 Quadratkilometern ein eher kleiner Park in NRW. Der grüne Flecken mit Heide, Moor, Wald, viel Wasser und seltenen Tieren liegt in der Nähe großer Städte wie Venlo, Duisburg oder Düsseldorf.

An besonders schönen Wochenenden strömen bis zu 80.000 Besucher in den Naturpark an der deutsch-niederländischen Grenze. Wanderer, Radfahrer und Skater sind auf dem fast 800 Kilometer langen Wegenetz unterwegs, Paddler auf Seen und Flüssen.

Die Wege verlaufen absichtlich abwechslungsreich. Nichts soll an öde Sonntags-Spaziergänge von früher erinnern. Die Trassen führen nicht nur monoton durch einen Wald, sondern überraschen mit neuen Aussichten oder Trittsteinen in einem Fluss. Die prämierte 11,2 Kilometer lange Rundroute „Galgenvenn” etwa verbindet Wald, Seen, Heide, Mammutbäume und eine Eichenallee.

Zur Überraschung der Fachleute verzichten manche Wanderer extra aufs Handy, um wie unter einer Tarnkappe zu verschwinden. Puschmann höre von Besuchern: „Ich freue mich, wenn ich einen Grund finde, nicht erreichbar zu sein.” Laut einer Studie ist Stressabbau ein zunehmend wichtiges Motiv für die Touren im Freien.

Spezialisierte Angebote nehmen zu, seien es Wanderungen nur für Frauen oder für Hundebesitzer mit ihren Tieren. Seit zwei Jahren wird ein „Single-Naturtreff” im Naturpark Schwalm-Nette sehr gut besucht. Die Meisten aber wandern mit Familie oder Freunden.

Quelle: Aachener Zeitung

 

Der Wandertourismus stellt sich auf die älter werdende Klientel ein. „Das Thema Barrierefreiheit wird Trend sein in den nächsten Jahren”, meint Erik Neumeyer vom Deutschen Wanderverband. Dabei gehe es aber nicht nur um Rollstuhlfahrer, sondern ums Beseitigen von Stolperfallen oder gut erkennbare Markierungen. „Das ist ein Thema, das gerade ganz viele Regionen beschäftigt.”

 

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