Warum wandern plötzlich alle?

Die sozialen Netzwerke werden jeden Sommer von Ferienfotos überschwemmt. Dieses Jahr kamen überraschend viele aus den Schweizer Alpen. Wandern ist wieder voll im Trend. Warum eigentlich? Ein Erklärungsversuch.

Langsam ist Schicht im Schacht. Der Sommer neigt sich dem Ende zu und zeigt sich noch einmal von seiner besten Seite. Zeit für eine Bilanz: Wo hat es die Studis dieses Jahr hingezogen? Einige Studierende hatte es in die Ferne gezogen. Ihre Ferienerlebnisse stellten sie auf sozialen Netzwerken stolz zur Schau. Das ist nicht neu.

Aufgefallen ist in diesem Sommer anderes: Die sozialen Netzwerke zeigten ungewohnt viele Bilder von Berglandschaften und in der Sonne flimmernden Alpseen. Viele liess die Ferne unberührt. Sie machten sich daran, die Schweiz zu erkunden – und zwar zu Fuss. Aus Wandern wurde «Hiking» – trendig, dynamisch und naturverbunden. Ein neuer Sport sozusagen. 

Doch wie konnte eine ehemals verstaubte Hauptbeschäftigung jeder Seniorenausflugsgruppe zu einem beliebten Hobby der Jungen werden? Hier meine Vermutungen:

1. Die nahe Unbekannte

Vor einigen Jahren wollte jeder nach Australien, Südamerika oder Asien. Nun haben die meisten ihr Geld in den ersehnten Trip fernab investiert und sich dadurch ihren Wunsch bereits erfüllt. Die Perlen der Schweizer Natur sind allerdings bis anhin zu kurz gekommen. Das wird nun nachgeholt.

2. Heimeliger Rückzug

Während Europa politisch wankt und beliebte Ferienziele von der Flüchtlingskrise (griechische Inseln) oder Terror (Istanbul) gezeichnet sind, garantiert uns der Rückzug in die Berge ein wohliges Sicherheitsgefühl. Zudem wollen wir in Zeiten der Globalisierung unsere Wurzeln und unsere regionale Identität wieder vermehrt entdecken.

3. Stillstand im Strudel

Prüfungen, schriftliche Arbeiten und Referate – ein Semester an der Universität kann ganz schön an den Nerven zehren und gelegentlich zur Sisyphusarbeit mutieren. Wer kurzfristig entspannen und aus diesem Hamsterrad ausbrechen möchte, muss geeignete Möglichkeiten dafür finden. Und wo geht das besser als mit einer Wanderung in den Weiten der Schweizer Alpen?

4. Technologische Entwicklung

Wer kennt sie nicht: diese stundenlangen Streifzüge mit den Grosseltern. Karten mit der gefühlten Grösse eines halben Fussballfeldes mussten zur Lagebeurteilung herhalten – verlaufen hat man sich trotzdem. Heute können wir auf unseren Smartphones vorgeschlagene Wanderrouten abrufen und per GPS laufend den zurückgelegten Weg verfolgen. Diese Kombination aus Natur und Technik baut Hürden ab und weist uns Digital Natives den Weg ins Grüne.

Ob diese Liste vollständig ist? Ob alle Punkte zutreffen? Ich weiss es nicht. Sicher ist: Wandern ist in – ich finde das gut so.

Quelle: Adrian Gottwald, in NZZ Campus

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